Dissens Hermann-Freye-Gesamtschule bekommt eine Oberstufe

Dissen. Noch vor Beginn der Sommerferien steht fest, dass in Dissen das Abitur möglich sein wird. Ein weiterer Meilenstein fürs Dissens Schullandschaft.

Ob es ein gutes Omen war, dass die Abstimmung zur Errichtung einer Oberstufe an der Hermann-Freye-Gesamtschule (HFG)  in der Menseria des Schulzentrums durchgeführt wurde? In jedem Fall steht nun fest, dass in absehbarer Zeit ein erster Abiturjahrgang in Dissen verabschiedet werden kann.

Der einstimmig angenommene Antrag der CDU: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt soll die Oberstufe an der Hermann-Freye-Gesamtschule eingerichtet werden. Landkreis und die Schule selbst seien mit einzubeziehen. Der Rat soll unaufgefordert regelmäßig informiert und beteiligt werden.

 

Sie war zwar durchaus erwartbar. Dennoch ist die Entscheidung des Dissener Stadtrates eine kleine Sensation. Wiewohl SPD-Fraktions-Vorsitzender Heinz-Günter Stolle noch einmal daran erinnerte, dass es ein Antrag seiner Partei gewesen sei, der den Stein bereits 2020 ins Rollen gebracht habe, war es nun ein Antrag der CDU-Fraktion, vorgetragen von Stefanie Hörning, der zur letztlichen Entscheidung führte.

Noch vor einem Monat war das Thema im Schulausschuss umfangreich diskutiert worden. „Rund 50 Prozent unserer Abgänger besuchen die IGS“, machte Jeanette Walderstein, scheidende Konrektorin der Grundschule Dissen, dort deutlich. HFG-Schulleiter Jan Wessels räumte damals ein, dass eine offizielle Prognose vonnöten sei, merkte aber auch an. „Bei den Schülern in den Nachbarkommunen findet keine Befragung statt.“ Auch die Frage der personellen Ausstattung war im Schulausschuss angesprochen worden. Dabei wurde deutlich: Immerhin 34 Lehrkräfte der IGS haben bereits die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II, also für die gymnasiale Oberstufe.

 

Oberstufe hin der her: Die Gesamtschule bleibt vorerst in Dissener Trägerschaft. Mit anderen Worten: Die Stadt zahlt den Betrieb. Nach wie vor möchte sie die Trägerschaft aber in die Hände des Landkreises Osnabrück überführen. Ob die Ratsentscheidung für eine Oberstufe diesem Ziel zu- oder abträglich ist, bleibt abzuwarten.

„Die Frage treibt uns alle um“, griff auch Stefanie Hörning (CDU) die Bedeutung der Oberstufe für Dissen auf. Wichtig sei eine Transparenz in allen Fragen, hob sie hervor. Es gelte nun, räumliche Voraussetzungen ebenso zu schaffen wie die Planungen mit einer Prognose abzustützen. „Ich halte es für wichtig, dass der Landkreis hinzuzuziehen ist“, erklärte Hörning zudem. Die Signale stünden auf Grün, es gelte, eine Perspektive für die Eltern zu schaffen.

„Ich freue mich, das die CDU diesen Weg gegangen ist“, schloss sich Heinz-Günter Stolle dem Antrag an. Er machte noch einmal deutlich: „Wir haben uns bewusst für eine IGS und gegen eine Oberschule entschieden.“ Mit dem Beschluss würde „unsere Schule über die Grenzen der Stadt hinaus attraktiv.“ Er plädierte zudem für ein Gesamtkonzept. „Es muss in den Rahmen unseres Schulzentrums passen“, so Stolle.

Auch Maren Öynhausen (UWG) freute sich spürbar über die Abstimmung. „Wir sind ohne Wenn und Aber für die Oberstufe in Dissen und hoffen, in Trägerschaft des Landkreises.“ Wichtig zu betonen war ihr zudem: „Wir sind diejenigen, die über die Einrichtung einer Oberstufe entscheiden.“ Beobachtet habe sie: „Die Kinder der HFG mögen ihre Schule.“ Wilhelm Meyer zu Erpen (Grüne) wies darauf hin, dass die Landrätin Anna Kebschull nun sehen möchte, „wie viele Schülerinnen und Schüler zu erwarten sind“.

Dass die Ratsvertreter wohlwollend auf die Errichtung der Oberschule schauen, war auch dem früheren Ratsherrn Derk van Berkum wichtig, der in der Einwohnerfragestunde vor Sitzungsbeginn sagte: „Zuständig für die Errichtung ist der Schulträger, also die Stadt Dissen“. Aktuell fehle eine Perspektive, „weil man nicht verlässlich zum Abitur kommen kann. Schulwechsel sind aber immer Brüche in der Bildungs-Vita.“

Und wann beherbergt die IGS nun die ersten Oberstufenschüler? Darüber wurde im Rat nicht gesprochen. Bis jetzt besuchen Schüler bis Klasse 8 die IGS. Vielleicht werden die heutigen Achtklässler die ersten sein, die ab dem Sommer 2023 die ersten Leistungskurs-Klausuren schreiben und in knapp fünf Jahren ihr Abitur in Dissen absolvieren. 

(Quelle NOZ vom 21.07.2021)