Elterninitiative Oberstufe für die HFG

Eine Gruppe von Eltern haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, die das Ziel hat, dass die Hermann Freye Gesamtschule eine Oberstufe erhält. Sie erreichen diese Gruppe unter elterninitiative@sz-dissen.de

Auf dem Weg zur Oberstufe

Wie alle Eltern wollen wir das Beste für unsere Kinder!

Seit einem Jahr engagiert sich eine Elterninitiative für eine Oberstufe an der Hermann-Freye-Gesamtschule in Dissen

 

Wir haben einige engagierte Eltern zu einem Interview über die Elterninitiative getroffen.

Frau Pohlmann, Sie sind die Vorsitzende des Elternrats der Hermann-Freye-Gesamtschule. Warum braucht es die Elterninitiative und warum die Oberstufe?

Svenja Pohlmann: Die meisten von uns haben sich zusammen mit ihren Kindern bewusst für die Gesamtschule entschieden, weil uns das Konzept der Gesamtschule überzeugt. Als integrierte Gesamtschule gehört eigentlich eine Oberstufe unbedingt dazu. Schließlich bereitet eine Gesamtschule auf alle Schulabschlüsse vor. Die Elterninitiative fand sich unterstützt auch von der Schulleitung spontan zusammen. Wir wollten nicht länger als unbedingt nötig auf die Politik warten, wie alle Eltern wollen wir das Beste für unsere Kinder!  

Aber bisher konnte man doch auch schon problemlos im südlichen Landkreis Osnabrück ein Abitur machen. Warum braucht es jetzt eine weitere Oberstufe in Dissen?

Jessica Dömer: Wenn wir uns die bisherige Entwicklung nach dem Ende der Grundschulzeit ansehen, fällt auf, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler an Gymnasien im benachbarten Nordrhein Westfalen abwandern. Das kann doch nicht im Sinne des Landkreises Osnabrück sein. Und was ist mit Familien mit mehreren Kindern? Dann gehen noch die jüngeren Geschwister in die Grundschule in Niedersachsen und die älteren Kinder gehen auf das Gymnasium im anderen Bundesland, da wird es dann sehr schwer, noch zusammen Ferien zu haben und zum Beispiel in den Urlaub zu fahren. Außerdem zeigt doch jetzt gerade die Pandemie, dass es nicht ganz unproblematisch ist, Schülerinnen und Schüler eng zusammen mit massenweisen Bustransporten über viele Kilometer zur Schule zu fahren.

 

Claudia Niemeyer: Und außerdem haben wir uns doch bewusst für das Konzept der Gesamtschule entschieden! Da stehen wir dahinter und auch unsere Kinder haben sich doch auch bewusst für diese Schule entschieden. Warum sollte man also nach der 10. Klasse dann die Schulform wechseln müssen? Das Konzept erscheint mir doch schlüssig und bietet mit dem frühen Heranführen an das selbständige Lernen meiner Ansicht nach viele Vorteile. Ein Wechsel z.B. zu einem Gymnasium bedeutet dann möglicherweise einen Bruch in der Schulkarriere. Gerade als Psychologin weiß ich, wie ungünstig das sein kann.

 

Lohnt sich eine Oberstufe denn gerade in Dissen? Dissen ist uns doch eher als Industriestandort bekannt.

Markus Fischer: Und da müssen wir doch viel mehr in die Zukunft sehen! Die Arbeitswelt verändert sich. Tätigkeiten, die früher von gering qualifizierten Arbeitskräften erledigt wurden, werden immer mehr automatisiert, d.h. von Maschinen getan. Die Industrie wird voraussichtlich immer qualifiziertere Arbeitskräfte benötigen. Bildung ist der wichtigste Rohstoff in der Bundesrepublik Deutschland.

Jenny Kriete: Außerdem versucht das Konzept einer integrierten Gesamtschule soziale Gerechtigkeit bzw. Chancengleichheit herzustellen. Für unsere bunte Stadt in unserer bunten Gesellschaft wünschen wir uns eben eine solche Schule. Eine Schule, die allen Schülerinnen und Schülern unabhängig vom Bildungsabschluss und den wirtschaftlichen Bedingungen im Elternhaus alle Chancen bietet. Ich glaube, dass Familien aus unterschiedlichsten Gründen manchmal nicht in der Lage sind, ihrem Kind den Besuch einer Oberstufe bzw. eines Gymnasiums zu ermöglichen. Vielleicht fehlt ihnen manchmal auch einfach der Mut oder das Vertrauen. In einer Gesamtschule haben Kinder die Möglichkeit, sich relativ druckfrei zu entwickeln, sich auszuprobieren und Talente zu entdecken und dann ohne größere Hürden ihren eigenen Weg zu gehen.

Markus Fischer: Es darf nicht sein, dass die Grundschule allein über den gesamten weiteren Lebensweg und die sozialen Chancen entscheidet!

 

Und wie soll es jetzt weitergehen? Allein wird die Elterninitiative ja kaum die Oberstufe auf die Beine stellen können!

Detlef Schellack: Nein, dafür gibt es ja etablierte Strukturen in Politik und Verwaltung. Die Schule steht in Trägerschaft der Stadt Dissen und ich finde es wichtig, hier im Einklang mit dem Träger gemeinsam vorzugehen. Aber als mündige Bürgerinnen und Bürger werden wir dafür sorgen, dass unsere Vorstellungen auch in der Politik entsprechend gehört werden. Dafür sind wir schon mit den politischen Parteien und auch mit dem Kreistag und dem Bildungsausschuss im Gespräch. Wenn nötig, könnten wir über die Elterninitiative auch viele weitere Eltern mobilisieren, um uns Gehör zu verschaffen, schließlich sind wir ja auch alle wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger.

 

Svenja Pohlmann: Wir wissen sehr wohl, dass da noch einige Arbeit vor uns liegt. Es gibt sicher noch Widerstände, aber wir bleiben am Ball!

 

Vielen Dank für das Interview.

Erfolgreiches, gemeinsames Lernen bis zum Schluss-eine Oberstufe für die HFG

Diesen Sommer wechselt der erste Jahrgang der Hermann-Freye-Gesamtschule in die neunte Klasse. Höchste Zeit sich mit der Zukunft auseinander zu setzten.

Diese gilt sowohl für die Schüler*innen und deren Eltern, als auch für die Schulleitung.

 

Welche Abschlüsse wollen und sollten die Schüler*innen hier an der Schule erwerben können?

 

Grundsätzlich sind bei einer IGS alle Bildungsabschlüsse zu erreichbar. Bislang ist an der HFG allerdings nur ein Abschluss am Ende der Klasse 10 möglich bzw. in Einzelfällen auch am Ende der 9.Klasse.

Eine Oberstufe, das heißt, die Jahrgänge 11,12 und 13 muss beantragt werden.

Dieses fordern die Eltern und Schüler*innen der HFG, gemeinsam mit der Schulleitung und dem Lehrerkollegium.

Um ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, bildete sich im Herbst 2019 die Elterninitiative Oberstufe, unterstützt von der Schulleitung und Lehrer*innen.

Auf einem Elternabend schlossen sich engagierte Eltern zu einer Lenkungsgruppe zusammen.

Hauptthemen waren Informationsweitergabe an die Elternschaft, die Kontaktaufnahme mit der Kommunal-und Kreispolitik, die Vernetzung mit gleichen Interessengruppen (Bramsche) und ein Bindeglied zwischen Schulleitung und gesamter Elternschaft darzustellen.

Auch eine Umfrage bei den ortsansässigen Betrieben sollte den Bedarf einer Oberstufe am Schulstandort Dissen konkreter hinterfragen.

Es wurden Flyer gedruckt, Ausschüsse besucht, es fanden digitale Sitzungen mit den anderen Interessengruppen statt. Auf den Elternabenden, insbesondere der neuen Jahrgänge, wurde für die Ziele und Hintergründe der Initiative Werbung gemacht.

 

Wieso ist es  für eine Gesamtschule wichtig eine Oberstufe anzubieten?

 

Man könnte der Ansicht sein, Gymnasien und Fachschulen gibt es genug in der Region.

Wahr ist aber, dass Dissen eine der größten Grundschulen im Landkreis unterhält, aber keine Bildungseinrichtung für einen Sek 2 Abschluss zu bieten hat.

Eine Integrierte Gesamtschule ohne Oberstufe ist in Niedersachsen eine rechtliche Ausnahme.

Aus Elternsicht sollte eine Stadt wie Dissen, mit gegen den Trend steigenden Geburtszahlen, sich entwickelnden Baugebieten und dem stetigen Zuzug von Familien mit Kindern, alle Schulabschlüsse vor Ort, ohne Schulwechsel und lange Wege, ermöglichen.

 

Erklärtes Ziel einer IGS ist es eine Schule für „Alle“ zu sein!

 

Dieses zieht zwangsläufige die Möglichkeit zur Erreichung aller Abschlüsse nach sich.

Für die Schüler*innen einer integrativen Gesamtschule ist es toll, gemeinsames Lernen und eine gezielte individuelle Förderung zu erfahren, statt eine Einordnung im dreigliedrigem Schulsystem zu erhalten.

Die IGS ermöglicht unabhängig von der Herkunft oder der bisher erfahrenen Bildung, die Chance auf einen Bildungsaufstieg und damit besseren Zukunftsperspektiven.

Dissen weist einen Migrationsanteil von 30% auf, gerade im Bildungsbereich durchaus eine Herausforderung, aber auch eine Chance vielen Schüler*innen einen Bildungsabschluss zu ermöglichen, unabhängig vom Elternhaus oder den finanziellen Gegebenheiten.

Die Herman-Freye-Gesamtschule würde somit an ihrem Schulstandort für den Südkreis eine Alternative im Bereich der Sekundar II Abschlüsse anbieten- ohne Schulwechsel nach der Mittelstufe und weite Anfahrtswege.

 

 

Wir Eltern wünschen uns eine bunte, vielfältige und offene Schule, wo Schüler*innen miteinander und voneinander lernen können, in der ihre Stärken gefördert werden und die Kinder und Jugendlichen Zeit für die persönliche Entwicklung finden, letztlich bis hin zu einem Abschluss wie dem Abitur.

Wir möchten hier in unserer Industriestadt Dissen für unsere Kinder Zukunftsperspektiven auf der Basis einer qualitativ guten und pädagogisch breiten Bildung schaffen. Dieses dient letztlich auch einer erfolgreichen, ökonomische Infrastruktur, sprich den ortsansässigen Betrieben und Gewerken, die auch zukünftig von gut gebildeten Azubis profitieren können.

 

Deshalb setzten wir uns mit Herz, Elan und Engagement für die Entwicklung und die zeitnahe Errichtung einer Oberstufe an der Hermann-Freye-Gesamtschule in Dissen ein, für unsere Kinder hier vor Ort, für die Schüler*innen aus Bad Rothenfelde und dem südlichem Landkreis Osnabrück.

 

Über weitere engaierte und aktive Eltern, welche in der Inititative für einen zukunftsorientierten Schulstandort mit aktiv sein wollen, freuen wir uns sehr.